Freitag, 4. September 2009

Waterton


Nach einem Frühstück bei A&W machen wir einen Ausflug in den nahe gelegenen Waterton International Peace Park. Der nördliche und deutlich kleinere Teil des gesamten Parks „Waterton Lakes National Park“ liegt hier in Kanada, während der südliche „Glacier National Park“ in den USA zu finden ist. Auf dem Weg zum Park kommen wir am Bison Paddock vorbei (das Gehege reicht übrigens so weit das Auge reicht). Hier wird zur Erinnerung an die alten Zeiten, als riesige Herden über die Weiten Albertas wanderten, ein kleine Herde gehalten. Eine kleine Straße führt mitten durch das Gelände hindurch, so dass man mit ein wenig Glück ein paar von den eindrucksvollen Tieren aus relativer Nähe bestaunen kann. Und das hatten wir auch.
Kurz vor der einzigen Stadt Waterton zweigt eine Straße in die Berge ab und führt direkt zu den Red Rock Canyons. So genannt, weil die Steine, die die Canyonwände bilden, feuerrot sind. Mitten hindurch fließt ein kleiner Bach. Da wir heute nicht von plötzlichen Flutwellen ausgehen, nehmen wir den Weg unten im Canyon den Bach aufwärts.
Wieder zurück auf der Hauptstraße machen wir einen kleinen Stopp am Lower Waterton Lake und verpassen so einen Schwarzbären, der wohl am Hang neben der Straße ein paar Meter nach unserer Abzweigung für wenige Minuten auftaucht. Stattdessen werfen wir einen Blick auf das Prince of Wales Hotel, das majestätisch auf einer Landzunge zwischen dem Lower und Middle Waterton Lake thront. Auch die Stadt Waterton selbst ist sehr idyllisch. Wir gönnen uns jeder zwei Kugeln Eis - jede Kugel größer als ein Baseball... das war's mit der Diät ;-) Während wir unser Eis am See verputzen, nutzen ein paar „Rehe“ das friedliche Ambiente und den beginnenden Herbst. Hier in der Stadt am Ufer des Sees scheint es die leckersten Trockenblätter der Umgebung zu geben....
Nach unserer Pause machen wir den letzten Abstecher des Tages zum Cameron Lake. Vorbei kommen wir dabei an Kanadas erstem Erdöl-Förderplatz. Wie wir hier auf Infotafeln erfahren, hielt der Boom an diesem Ort allerdings nur wenige Jahre an. Ein paar Barrel Öl wurden wohl auch verkauft, dann war das Ölfeld glücklicherweise auch schon wieder erschöpft. Damit platzten auch alle Träume und Pläne von der Oilcity, die hier entstehen sollte.

Donnerstag, 3. September 2009

Raus ausse Rockies


Heute ist ein Transfertag. Wir müssen ca. 360 km schaffen und fahren durch ein Gebiet, in dem wenig zu erleben ist. Die Strecke schlängelt sich von Radium Hot Springs zunächst gen Süden bis kurz vor die US Grenze. Anschließend knickt sie nach Nord-Ost ab. Dabei geht es teilweise über dutzende Kilometer durch nach und nach lichter werdende Wälder – zwischendrin auch schon mal glatte 9 km wie am Lineal gezogen ohne Kurven schnurstracks geradeaus.
Wir kommen durch Städtchen, die eigentlich im Winter ihre Jahresblüte erleben und überfahren später den Crownsnest Pass, der uns wenig später am Franks Slide vorbei führt. Hier ist ähnlich wie schon am Hope Slide ein größerer Teil einer Bergflanke ins Tal gerutscht. In Frank war es allerdings schon 1903 und die Schuttberge sind immer noch zu besichtigen.
Kurz darauf verlassen wir auch schon die Rockies und erreichen die Ebenen Albertas. Hier hügelt das Land so vor sich hin. Die Wälder sind verschwunden und haben ausgedehnten Grasflächen, den Prärien, Platz gemacht. Immer öfter werden diese Flächen aber durch riesige Anbauflächen für Getreide ersetzt. Die erste Stadt hinter den Rockies dient uns als Bleibe für die nächsten beiden Nächte. Pincher Creek ist ein kleines gemütliches Städtchen. Von hier werden wir morgen in den Waterton Nationalpark fahren.

Mittwoch, 2. September 2009

Moose, Moose


Heute geht es früh raus – wir haben viel vor. Aber zunächst genehmigen wir uns ein Frühstück im Ort in einem Bäckerei-Fleischerei-Snack-und-Lunch-Bistro. Der Laden ist echt urig, super simpel eingerichtet, aber irgendwie so, wie man es aus amerikanischen Filmen zu kennen meint, die in Nestern am Ende der Welt spielen. Anschließend geht’s weiter zum Emerald Lake. Bevor wir den erreichen, machen wir aber noch an der Natural Bridge Halt.
An dieser Stelle hat sich der Kicking Horse River im Laufe der Zeit unter den Felsen hindurch gefressen und eine kleine Brücke zurück gelassen. Sehr spektakulär, wie die Wassermassen um und durch die Engstellen rauschen.
Einige Kilometer weiter am Ende der kleinen Straße (kleine Straße heißt auf kanadisch übrigens nicht etwa eng – auch hier passen locker zwei Sattelschlepper neben einander) liegt der Emerald Lake idyllisch im Tal. Das Wasser ist nahezu spiegelglatt und schimmert smaragdgrün im Sonnenlicht. Am anderen Ende des Sees rauscht ein kleiner Wasserfall von den Gipfeln ins Wasser und einige Touristen paddeln in Kanus über den See. Auf einer kleinen Landzunge lädt eine Lodge zur Übernachtung ein. Aber dazu ist es ja noch viel zu früh am Tage.
Wir fahren weiter zu den Takakkaw Falls. Um die zu erreichen, müssen wir eine kleine Stichstraße nehmen, die als Herausforderung eine Stelle mit drei engen Serpentinen bietet. Die Kurven sind hier so eng, dass größere Wohnmobile oder Busse den mittleren Teil nur rückwärts nehmen können: Also zunächst den ersten Anstieg vorwärts bewältigen, dann rückwärts den zweiten Teil überbrücken, um dann wieder vorwärts den Aufstieg fortsetzen zu können. Die Falls selber sind die zweitgrößten Wasserfälle Kanadas und rauschen vom Gletscherwasser des Daly Glacier gespeist, satte 254m in Tiefe. Auf einem kleinen Wanderweg können wir zur Basis vordringen. Aber so weit gehen wir dann doch nicht, denn schon in einiger Entfernung wird es aufgrund der Gischt unangenehm nass.
Auf dem Weg zurück zum Highway haben wir Glück und erleben den einen der zwei Spiral Tunnels, die es für die Eisenbahn in diesem Tal gibt, in Aktion. Um die Steigung auf annehmbare Werte zu reduzieren, wurden zwei spiralförmige Tunnel in den Berg gesprengt. Die Bahn fährt also oben hinein, schraubt sich in einer 180° Kurve weiter hinunter und kommt zwei, drei Etagen tiefer wieder hinaus. Bei der Länge der Güterzüge hier (125 Wagons mit je zwei Containern übereinander gestapelt ist die Regel) sieht man also oben noch die Wagons in den Tunnel fahren, während unten der Zug schon wieder aus dem Tunnel kommt. Der zweite Tunnel ist etwas weiter Richtung Osten am Kicking Horse Pass zu bewundern. Auch hier haben wir Glück und sehen gerade noch die letzten drei Wagons in den Tunnel fahren....
Ungefähr an dieser Stelle verlassen wir den Yoho National Park und wechseln hinüber in den Banff National Park. Da wir die gleiche Strecke in ein paar Tagen noch einmal fahren, beschließen wir heute aus Zeitmangel den neuen, langweiligen aber schnellen Highway zu nehmen. Schade auch, dass wir direkt in eine gigantische Baustelle in exakt der Länge der „Abkürzung“ fahren – immerhin sieht man hier tatsächlich dutzende Arbeiter arbeiten ;-)
Wir knicken Richtung Süden ab und verlassen damit wieder den Banff Nationalpark. Stattdessen heißt uns der Kootenay Nationalpark willkommen. An der Continental Divide, der Wasserscheide des Kontinents, begeben wir uns auf einen kleinen Lehrpfad durch den nach einem großen Waldbrand 1968 langsam wieder grün werdenden Wald.
Wenig später erreichen wir den Marble Canyon, wo sich bei der Faltung des Gebirgszugs eine etliche hundert Meter lange und z.T. dutzende Meter tiefe Felsspalte gebildet hat, durch die ein kleines Flüsschen zu Tal donnert. Das alles im abgebrannten Wald mit seinen verkohlten Baumstämmen wirkt schon sehr skurril. Skurril trifft auch auf die Paint Pots zu, zu denen wir wenig später wandern. An dieser Stelle spülen Quellen eisenhaltige Mineralien an die Oberfläche.
Um unser heutiges Naturerlebnis zu vervollkommnen, stehen bei unserer Weiterfahrt plötzlich eine Elchkuh und ihr Kalb neben der Straße am Waldrand und lassen sich von den in sicherer Entfernung an der Straße haltenden Autos nicht groß stören – Mama Elch hat aber auch tatsächlich immer alles genau im Blick.
Nach dutzenden Fotos vom Beifahrerplatz aus machen wir uns schließlich wieder auf den Weg. Und als wenn wir heute nicht schon genug Abenteuer zu bestehen gehabt hätten, steht plötzlich ein weiterer Elch am Straßenrand und meint unbedingt dann über zu Straße laufen zu müssen, als wir vorbei kommen....

Dienstag, 1. September 2009

Im Wald


Ein letztes Frühstück am Three Valley Lake und wir brechen auf in Richtung Rocky Mountains. Zunächst kommen wir noch einmal durch den Revelstoke Nationalpark und wandern auf dem Skunk Cabbage Trail (hier riecht's kein bisschen nach Stinktier...) Hier können wir die Natur der Wetlands tief unten im Tal am Illecillewaet River erforschen. Ein paar Kilometer weiter unternehmen wir eine kleine Wanderung entlang dem Giant Cedars Trail. Der Weg führt durch den erhaltenen „Old Growth“-Wald, also uralten Waldbestand mit riesigen Rotzedern, die z.T. schon zu Columbus' Zeiten als Sprösslinge gen Himmel strebten. Immer wieder plätschern kleine Bäche durch den Wald, unter, über und vorbei an umgestürzten alten Zedern, die die Lebensgrundlage für neue Bäume liefern.
Wir verlassen den Nationalpark und kommen kurze Zeit später in einen Weiteren, den Glacier Nationalpark. Auch hier streifen wir ein wenig durch den Wald, der diesmal von Hemlock-Tannen dominiert wird.
Der Rauch der vergangenen Tage ist nicht bis hierher vorgedrungen, so dass wir die immer näher rückenden ersten schneebedeckten Gipfel der Kootenays vergleichsweise klar bestaunen können, zwischen denen wir später über den Rogers Pass hindurch fahren.
Am Pass informieren wir uns über Schwierigkeiten beim Bau und Unterhalt der Eisenbahn, die früher auf der Trasse des jetzigen Highways fuhr.. Auf dem Weg hinunter ins Tal bieten sich uns tolle Bergpanoramen mit Gletschern, während sich neben bzw. unter uns der Connaught Creek dahin schlängelt. Leider gibt es hier am Highway so gut wie keine Haltemöglichkeiten und wir sind eh schon der Bremsklotz des Tages für die meisten unserer „Verfolger“.
Kaum haben wir die ersten Meter hinunter ins Tal zurück gelegt, steigen die Temperaturen wieder deutlich an. Als wir in Golden eine Unterkunft suchen, haben wir bestimmt wieder gute 30°.

Montag, 31. August 2009

Herrliche Aussicht


Zunächst fahren wir hoch auf den Mount Revelstoke, der im gleichnamigen Nationalpark gelegen ist. Auf dem Weg hinauf genießen wir die fantastische Aussicht hinunter ins Tal – falls an den Aussichtspunkten ein Foto vorzufinden ist. Die Sicht ist im Vergleich zu gestern noch schlechter geworden, und so sehen wir eher nichts.
Egal, ganz oben in 1938m Höhe kann man schon fast wieder über den Rauch hinweg die Gipfel der benachbarten Berge bewundern. Zunächst erklimmen wir den letzten Kilometer der Strecke bis zum Gipfel zu Fuß, um dann dem Meadows in the Sky Trail zu folgen. Vorbei an ein paar Meadows mit den letzten Blüten der Saison geht es zur Icebox, in der das ganze Jahr über Eis bzw. Schnee liegen bleibt. Dazwischen herrliche Ausblicke auf die umliegenden Berge...echt klasse.
Nachdem wir uns von den Strapazen erholt haben, fahren wir noch kurz am Revelstoke Damm vorbei – ein, wie eigentlich zu erwarten war, furchtbar hässlicher Betonklotz. Den Abschluss des Tages bildet dann noch der Besuch der Besuch einer alten Geisterstadt direkt neben unserem Hotel. Auch hier wurden alte Gebäude mühevoll zusammengetragen und restauriert.

Sonntag, 30. August 2009

Dicke Luft


Wir verlassen Vernon entlang noch mehr Einkaufszentren....wer hier nur alles einkauft...? Wenige Kilometer später machen wir einen Abstecher und besuchen die Historic O'Keefe Ranch. Hier haben die Nachfahren vom Pionier-Rancher O'Keefe die alte Ranch restauriert und zu neuem Leben erweckt. Mit sehr viel Liebe zum Detail wird hier die damalige Zeit veranschaulicht.
Wir verlassen endgültig das Okanagan Valley und fahren nun durch die Shuswap Highlands. Die Sicht wird immer nebliger, z.T. kann man das gegenüberliegende Ufer (geschätzte 500m) kaum noch erkennen– und das bei über 30° im Schatten. Schon bald wird allerdings klar, dass es sich hier nicht um Nebel, sondern um Rauch. Irgendwo muss hier ein großes Feuer wüten. Später erfahren wir aus dem Radio, dass es mehrere Waldbrände östlich von Kamloops gibt.
Am Mara Lake machen wir ein Picknick und stürzen uns anschließend zur dringend notwendigen Abkühlung in die Fluten.
Auf dem Weg nach Revelstoke kommen wir noch in Craigellachie vorbei. Wie jeder weiß, wurde ja hier am 7. November 1885 der letzte Nagel der Kanada vom Atlantik zum Pazifik durchquerenden Eisenbahnverbindung eingeschlagen.
Kurz vor Revelstoke kommen wir in einem Hotel direkt am See im Three Valley Gap unter. Revelstoke selbst ist ein sehr nettes Städtchen, in dem wir zu Live-Musik unser Abendessen genießen können.

Samstag, 29. August 2009

Im Okanagan Valley


Heute geht es gen Norden. Von den angekündigten 37° ist am frühen Morgen glücklicherweise noch nichts zu spüren, aber der Tag ist ja noch lang. Zunächst düsen wir nochmal hinunter zum See, bevor es dann endgültig hinaus aus Osoyoos geht. Die Straße schlängelt sich entlang unzähliger Obstplantagen und Weingüter. Ein See ist immer irgendwie in Sichtweite. In Okanagan Falls machen wir eine kleine Rast am Skaha Lake. Weiter geht es nach Penticton. Hier steppt heute der Bär, schließlich scheint morgen hier ein Triathlon stattzufinden.
Nach einer kleinen Stärkung am See düsen wir aber weiter über Summerland wo wir die historische Kettle Valley Steam Railway besuchen. Zurück von diesem kleinen Abstecher fahren wir immer am Okanagan Lake entlang, bis wir in Peachland zwar keine frischen Peaches bekommen, dafür aber Hot Buttered Corn. Lecker....
Als wir durch Kelowna fahren, finden wir endlich einen vernünftigen Buchladen, in dem einen brauchbaren Straßenatlas bekommen. Nun können wir auch mal etwas genauer die möglichen Routen zu unseren Zielen erkennen :-)
Endstation für heute ist Vernon, eine kilometerlange Ansammlung von Einkaufszentren. Das entspricht nicht gerade dem idyllischen Ort, den wir uns vorgestellt hatten....

Freitag, 28. August 2009

Ab in die Wüste


Diesmal gibt’s im Hotel kein Frühstück, also spazieren wir hinunter an den See und nehmen unsere zwei Continentals in einem kleinen Restaurant mit Blick über den See ein. Anschließend geht es aus dem beschaulichen Harrison Hot Springs weiter nach Osoyoos.
Auf dem Weg dorthin kommen wir durch Hope und anschließend am Hope Slide vorbei, wo 1965 die 2000m hohe Flanke des Berges als gewaliger Erdrutsch den Highway und den im Tal gelegenen See unter 70m Schutt und Geröll begrub.

Später durchqueren wir den Manning Provincial Park, wo wir uns im Park Resort zunächst stärken und anschließend zu Fuß durch die dichten Nadelwälder auf den Weg zu den Strawberry Flats machen. Hier erwartet uns das erste Mal das "typische Kanada".

Später geht’s weiter und wir kommen in die Ausläufer der Sierra Nevada, die bis nach Kanada ins Okanagan Valley reichen. Entsprechend ändert sich die Vegetation: Die dichten grünen Nadelwälder verschwinden und werden durch leichtes Gestrüpp am Boden ersetzt. Aber hier befindet sich auch ein bekanntes Obstanbauzentrum, und so können wir uns in Keremeos bei einem Obststand am Straßenrand mit Nektarinen, Kirschen und Blaubeeren eindecken. Lecker!

Am Abend erreichen wir dann Osoyoos – die angebliche spanische Hauptstadt von Kanada. Wir finden, es sieht eher aus wie die mexikanische.... aber da wollen wir mal nicht so sein. Die Temperaturen sind hier, wie es sich für einen Wüstenausläufer gehört, richtig heiß und liegen so kurz vor Sonnenuntergang bei über 30° - Celsius, wohlgemerkt. Für morgen sind übrigens 37° angesagt!

Glücklicherweise nehmen in der Wüste die Temperaturen am Abend ja stark ab. Und so können wir (wieder mit Blick über den See) unser Abendessen ganz entspannt bei angenehmen Temperaturen im Sommeroutfit genießen :-)

Donnerstag, 27. August 2009

Go East


Nach dem Frühstück packen wir schnell unsere sieben Sachen und holen unser Auto. Die Dame hinterm Tresen ist zwar nicht gerade die Freundlichkeit in Person, dennoch erhalten wir unseren Toyota Yaris mit Stufenheck. Damit geht’s anschließend raus aus der Stadt in Richtung Osten. Die Automatik fühlt sich schonmal komisch an, und schnell merken wir, dass ein genaueres Studium der Verkehrsregeln angebracht zu sein scheint: Ist es normal, bei Rot rechts abzubiegen? Warum will irgendwie niemand so richtig als Erster fahren, wenn die Kreuzung nicht von Ampeln geregelt wird? Warum blinken manche Ampeln und andere nicht?

Wir verlassen Vancouver über den Highway 1, und zu unserer Überraschung ist die Straße (immerhin drei Spuren pro Richtung) gerammelt voll. Auch nach den ersten Vororten wird’s nicht weniger.

Nach etlichen Kilometern machen wir in Fort Langley einen kleinen Stop. Hier ist das alte Fort – ein Handelsposten der Hudson's Bay Company – als Museum nachgebaut. Anschaulich erläutern entsprechend der damaligen Zeit Gekleidete diverse Dinge des harten Lebens. Nach einer kleinen Stärkung im richtig schuckeligen Städtchen geht’s weiter.

Wir verlassen den Highway und fahren auf einer kleineren Straße nördlich des Fraser Rivers weiter. Der Verkehr nimmt ab, und am Abend erreichen wir Harrison Hot Springs. Dieses kleine Urlauber-Städtchen liegt sehr malerisch in einem Tal direkt am See. Im „Black Forest Restaurant“ stärken wir uns mit Schnitzel und Bratkartoffeln – nach Originalrezept natürlich....

Mittwoch, 26. August 2009

Bis die Socken qualmen


Als erstes und wichtigstes steht heute die Wiederherstellung der Kamera auf dem Programm. Basti hat einige Sorgen, dass adhoc und ohne Bestellung ein entsprechendes Ersatzteil aufzutreiben ist. Wie der Zufall es so will, liegt unser Hotel nur 50m von Leo's Camera entfernt. Dort hatten wir gestern noch heutzutage seltenen gewordene Dia-Filme käuflich erworben. Im Internet zu Hause und vor allem vor Ort machte der Laden durchaus den Eindruck, als wenn hier Foto-Freaks tätig wären. Also schnell dahin. Der Verkäufer runzelt die Stirn - „oh....well....let me have a look“. Anschließend durchstöbert er etliche Schublädchen im Notfall-Lager und kommt mit zwei Schrauben zurück. Die Erste sieht gut aus, ist aber leider eine Nummer zu groß. Die Zweite hat den richtigen Durchmesser, aber das falsche Gewinde-Stepping. Die lässt sich nur einen Tick weit hinein drehen...was anderes hat er nicht.....aber in der Burrard da gibt’s noch einen Laden, die reparieren Kameras, vielleicht haben die das ja. Nun gut, etliche Kilometer zu Fuß später stehen wir in einem „Laden“, wo ein paar Russische Einwanderer offensichtlich richtig basteln und uralte Foto-Kisten bearbeiten. Der Chef-Bastler sieht sich die EOS an, dreht sie ein paar Mal hin und her: „Hmmm....“ und verschwindet. Ein paar Minuten später taucht er kopfschüttelnd wieder auf: „.hmm....nee, aber das Model, also das haben wir nur gaaanz selten mal...aber vielleicht.....“ und weg ist er wieder. Einige Minuten später taucht er wieder auf: „Das Problem ist, dass es kein normales Gewinde ist, die Übersetzung ist anders – Spezialteil. Da haben wir nichts. Aber es gibt da einen Laden, „Leo's“ der....hat uns zu Ihnen geschickt....ohhh, wenn Leo das nicht hat.....“ Die Falten auf seiner Stirn werden noch tiefer. „Also da gibt’s noch was, wo Sie es versuchen könnten....der Flohmarkt. Da sind Jungs die haben so eine große Box....vielleicht ist da was Passendes dabei.....“ Aber der Flohmarkt ist erst wieder morgen – fällt also sowieso flach. Auf Bastis besorgten Blick hin, düst er noch einmal unter murmeln von „...vielleicht habe ich hier noch....“ und tatsächlich er kommt mit einer Schraube zurück, die passt!!!!!!!!!! Die Welt ist gerettet – der Urlaub kann nochmal beginnen :-)

Aus Freude machen wir uns gleich wieder auf den Weg. Zunächst den ganzen Weg zurück und dann weiter bis zur Waterfront. Schließlich wollen wir heute in den Stanley Park. Der liegt am Nord-West-Ende von Downtown Vancouver und ist ziemlich groß. In unserer Freude umwandern wir in komplett und besichtigen dabei zunächst die indianischen Totem-Pfähle, später genießen wir bei einem Cappuccino den Blick von oben auf die Lions Gate Bridge, die die Meerenge nach Nord-Vancouver überspannt. Ein paar Waschbären statten uns noch einen Besuch ab, bevor wir uns auf die zweite Hälfte des Weges entlang der Westseite, also entlang der English Bay machen. Hier ist mehr Wald und noch schönere Aussicht Richtung Vancouver Island. In der Bucht ankern diverse riesige Frachter.

Zum Ausklang genießen wir leckere Pasta in der Abendsonne am Rande der English Bay. Als wir endlich wieder im Hotel sind, glühen die Füße und die Socken qualmen. Gut dass morgen deutlich weniger Stecke zu Fuß auf dem Programm steht :-)

Dienstag, 25. August 2009

Und es geht noch besser weiter


9:00 Uhr.....Vancouver.....die Sonne strahlt....und wir machen uns auf den Weg, den Grouse Mountain zu erobern. Auf dem Weg dahin wollen wir natürlich noch die Capilano Suspension Bridge bezwingen.
Dazu führt uns unser Weg zunächst einmal wieder hinunter zur Waterfront, wo wir den Seabus besteigen und einmal über die „Förde“ nach Nord-Vancouver dampfen. Die Fähre fährt hier schön regelmäßig alle 15 Minuten (in jeweils beiden Richtungen!). Anschließend nehmen wir den Bus, der uns den Berg hoch durch richtig nett anzusehende Wohnviertel fährt. An der Suspension Bridge bewundern wir zunächst die tolle Aussicht, bevor wir uns drüber hinweg „wagen“- Die Hängebrücke schwingt durch die vielen Besucher herrlich hin und her. Und während wir sanft geschaukelt werden, können wir den Blick in den wohl 70-80m tiefen Canyon werfen.
Doch dann passiert das Unfassbare. Basti will noch ein tolles Foto machen und harrt geduldig des Momentes, an dem mal eben kein trampeliger Tourist laut kreischend die Brücke in allzu arge Schwingungen versetzt. Als es endlich soweit ist, sagt die Kamera plötzlich nichts mehr....ein verwirrter Blick auf das Gehäuse offenbart ein geöffnetes Batteriefach. Noch während Basti versucht zu verstehen, wie das wohl passieren kann, macht sich die Schraube schlussendlich vollständig aus dem Staub: Mit zwei kleinen Zwischensprüngen auf den Planken der Brücke, stürzt sich die Schraube schuldbewusst in die Tiefe. Und mit ihr zunächst einmal auch die Stimmung....
Ein Frustrationseis später sieht die Welt vorübergehend doch wieder ganz akzeptabel aus. Dann gibt’s heute halt keine Dias....
Neben der Brücke hält der Eintritt zur Bridge auch noch einige Naturwanderwege bereit, darunter die „Treetop Adventure“-Tour, über diverse zwischen riesig hohen Douglasien gespannte Hängebrücken....ach ja, warum müssen sich Asiaten eigentlich vor jedem Baum unter Kreischen selbst fotografieren?

Nächstes Ziel heute ist der Grouse Mountain. Der Bus bringt uns zur Basis der Seilbahn, die uns letztlich auf den Berg befördert. Oben angekommen, dürfen wir eine wahnsinnig tolle Aussicht hinunter auf Vancouver und die English Bay genießen. Zur anderen Seite hin zeigt sich Mount Baker im Dunst in der Ferne.
Neben der Aussicht genießen wir noch die weltberühmte „Lumber-Jack-Show“, bei der sich zwei ganz originale Holzfäller von 1800 langsam ein Duell um die Lumber-Jack-Meisterschaft liefern. Außerdem bekommen wir noch eine Vogelflug-Vorführung von Greifvögeln zu sehen.
Auf der anderen Seite ist Ina ordentlich geschockt. Für die Winterolympiade wurde hier doch einiges gebaut – unter anderem ein bis zwei neue Lifte, für die eine neue Schneise in den Baumbestand geholzt wurde :-(

Glücklicherweise erwischen wir am Fuße des Berges noch den Bus und ebenso die Fähre, die uns wieder hinüber nach Vancouver bringt. Mit ordentlich Hunger kehren wir in der Old Spagetti Factory ein. Hier werden wir in einem alten Straßenbahnwagon platziert, der früher einmal die Stadt unsicher machte. Obwohl wir eigentlich nur eine normale Portion Essen bestell wollten, überrascht uns unser Kellner mit der Nachricht, dass zu jedem Hauptgericht auch noch ein Salat, ein Becher Eis und Kaffee gehören. Voll bis zum Platzen machen wir uns nach dem Schmaus auf den Weg zurück ins Hotel.

Montag, 24. August 2009

Das fängt ja gut an


3:00 Uhr......Kiel.....der Wecker klingelt.....gemeinsames Aufstöhnen. Aber es nützt nichts, wir müssen....äääh dürfen schon aufstehen. Die letzten Dinge verschwinden im Koffer. Ein Glas Saft und ein paar Pflaumen zum Frühstück und schon müssen wir los. Während Basti alle Koffer und Rucksäcke aus dem Haus schleppt, holt Ina den Wagen....aber irgendwie kommt kein Auto die Auffahrt hinunter. Stattdessen schnelle und vor allem hektische Schritte. Das KFZ springt nicht an. Der blöde Türdefekt, der uns schon seit Wochen nervt, hat offensichtlich die Batterie leer gelutscht. Gut, dass es noch den guten alten Nissan gibt ;-)
Kurze Zeit später sind wir in Neumünster, wo wir in den Schuster-Flughafen-Express umsteigen. Im Hamburger Terminal gibt’s diesmal keine Probleme – kein noch notwendiges Visum oder sonstiges.

Der Flieger startet on time und kurze Zeit später landen wir überpünktlich in Heathrow – so pünktlich, dass wir noch auf dem Rollfeld zwischenparken. Wenig später schlendern wir dann nach erneuter Security durch das neue Terminal 5. Allerhand Läden vertreiben uns ein wenig die Zeit. Wohin wir eigentlich müssen wissen wir auch erst, als das Gate tatsächlich geöffnet wird. Wie versprochen geht’s ebenfalls in Terminal 5 weiter....aber in einem anderen Gebäude, zu dem uns schnell eine Schnellbahn bringt.

Das Boarden nimmt so einige Zeit in Anspruch, aber dann geht’s los. Wir klettern rasch auf unsere Reiseflughöhe, und als wir sie dann erreicht haben und irgendwo bei Schottland sind, verschwindet alles um uns herum in Wolken – nicht einmal der Himmel über uns ist zu sehen. Das ändert sich glücklicherweise für ein paar Minuten, als wir die Küste von Island überfliegen. Damit wir den Ausblick auch ja nicht verpassen, macht uns der Kapitän mit einem ordentlichen Absacker durch ein Luftloch drauf aufmerksam – einige Passagiere verwechseln das zwar mit einem Ausflug zur Achterbahn, aber was solls ;-)

Damit wir auch ein wenig zum Schlafen kommen, werden die Wolken wieder vorgezogen und erst über Grönland wieder geöffnet. Die Gletscher und die im Meer schwimmenden Eisberge sehen sehr beeindruckend aus. Weniger beeindruckend ist allerdings die schwarze Linie, die wir im Wasser unter uns entdecken. Die entpuppt sich nämlich nach einigem Rätseln als der Schatten der Abgase aus unseren Triebwerken, die hier aus irgendeinem Grunde besonders rußen.

Nord-Nord-Kanada sieht aus der Luft ganz anders, aber nicht weniger lebensunfreundlich aus. Die Landschaft gleicht eher einer riesigen Schlammwüste mit unzähligen Pfützen. Das Bild ändert sich erst, als wir uns immer mehr nach Süden in Richtung Edmonton vor kämpfen. Wenig später beginnen dann auch schon die imposanten Rockies, bevor wir zur Landung in Vancouver ansetzen.
Die Einreise verläuft ohne Hindernisse und wir sind kurze Zeit später im Taxi unterwegs zum Hotel. Wie uns Vancouver denn gefällt, will der Taxifahrer nach den ersten zwei Kilometern wissen....naja, was sollen wir denn da drauf antworten.

Über das Hotel decken wir mal den Mantel des Schweigens....es liegt günstig in Downtown Vancouver gelegen, also praktisch. Wir machen uns auch schnell wieder auf den Weg Richtung Down-Downtown also runter zum Wasser – der Waterfront. Der Weg führt uns entlang an alten, typisch amerikanischen zweietagigen Häusern, aber genauso an supermodernen Wolkenkratzern. Am Wasser erwartet uns ein herrlicher Ausblick auf den Stanley Park und das gegenüberliegende Ufer zu Füßen des Grouse Mountain. Dazwischen starten und landen regelmäßig kleine Wasserflugzeuge, die Touristen, Post und sonstwen an schwer zugängliche Orte transferieren.

Wir gehen mittlerweile hungrig geworden weiter in die Gastown und finden auch ein nettes Lokal, das unseren Hunger und Durst zu stillen vermag. Nicht allzuviel später fallen wir tot ins Bett.

Samstag, 22. August 2009

Die letzten Vorbereitungen laufen

Den letzten Arbeitstag haben wir geschafft, die letzten baulichen Maßnahmen am bzw. vorm, also eigentlich hinterm Haus haben wir durchgeführt (juhu...der Sichtschutzzaun steht :-), der letzte Tag vorm Flug ist angebrochen.
Als erstes stand heute morgen der online check-in an. Pünktlich um 7:20 haben wir uns mit Hilfe von seatguru.com schöne Plätze in beiden Fliegern rausgepickt...hoffen wir jedenfalls. Jetzt muß nur noch der Drucker funktionieren, damit wir alle Reiseunterlagen auf Papier bannen können.

Für unsere fünf Stunden Aufenthalt in London haben wir auch schon mal das Terminal 5 in Heathrow virtuell erkundet. Zumindest sollte es uns nicht an Shops mangeln, um die Zeit bis zum Abflug über die Runden zu bringen.