Donnerstag, 12. März 2015

Kraterseen

Kaum haben wir Nelson verlassen, überqueren wir die Staatsgrenze von Victoria (da kommen wir her) und South Australia (da sind wir nun). Abgesehen davon, dass als erstes das Tempolimit auf der Straße erhöht wird, müssen wir die Quarantäne-Stelle durchqueren. Wir dürfen nämlich z.B. keinerlei Obst und Gemüse einführen. Klingt verrückt, ist aber so und wird ggf. auch mit saftigen Strafen geahndet. Immerhin haben wir das rechtzeitig vorher mitbekommen und gestern abend unsere Reste in Form von Mangos, Weintrauben und Honigbrot verprasst. Bis auf Karotten (die darf man einführen) haben wir keinerlei Frischwaren mehr dabei. Ach ja, die Zeitzone ändert sich auch: Wir müssen die Uhr eine halbe Stunde zurück stellen.
Gar nicht weit hinter der Grenze befindet sich bereits Mount Gambier. Weiter soll's heute auch gar nicht gehen. Gleich hinter unserem Campingplatz befindet sich der Blue Lake, der ein Kratersee und als solcher auch eindeutig zu erkennen ist. Er gibt den Wissenschaftlern laut unserem Reiseführer angeblich noch Rätsel auf, da er je nach Jahreszeit seine Farbe zwischen Blau und Grau wechselt. Wir sind in der blauen Jahreszeit hier und entsprechend strahlt der See :-) Die Stadt ist übrigens die drittgrößte Stadt Südaustraliens, auch wenn hier nur 30.000 Einwohner leben. Neben dem obligatorischen Stadtbummel füllen wir unsere Nahrungsmittelreserven auf.
Am Nachmittag machen wir einen Ausflug durch das Naturschutzgebiet gleich neben dem Blue Lake, das sich rund um den Valley Lake erstreckt - wiederum ein alter Krater. Ein Teil des Parks ist als riesiges Freigehege für einige ehemals hier heimische Arten angelegt. Viel mehr schaffen wir heute nicht. Der Urlaub ist einfach zu anstrengend...

Mittwoch, 11. März 2015

Mythos

Wir verlassen Portland und fahren zum Cape Nelson. Hier besuchen wir den hier stehenden Leuchtturm, der über den erhabenen Klippen thront, zu deren Füßen die Brandung bricht.
Nicht allzuweit entfernt liegt Cape Bridgewater mit dem Petrified Forrest, dem versteinerten Wald. Angeblich wurde hier vor langer Zeit ein Wald von voranschreitenden Sanddünen begraben, und über die Zeit haben sich die Stämme durch Erosion herausgeschält. Wie wir einem Infoboard entnehmen, ist das eine nette Geschichte, hat aber mit der Wahrheit nichts zu tun.
Die Ortschaft Cape Bridgewater liegt malerisch gelegen an einer Bucht mit unendlich langem Strand. Dazu gibt's ein gut besuchtes einfaches Bistro mit lecker Kuchen, das wir aufsuchen und einer Schulklasse beim Surfunterreicht zuschauen.
Als wir genug geschaut haben, machen wir uns auf den Weg nach Westen. Wir fahren kilometerweit durch Holzplantagen und stellen wieder fest, dass die Truckfahrer eindeutig die sind, die am schnellsten unterwegs sind. Unterwegs entdecken wir zwei Emus auf einer frisch neubepflanzten Plantage.
Irgendwann kommen wir nach Nelson, wo wir bleiben wollen. Der bevorzugte Campingplatz hat gar nicht geöffnet, und so entscheiden wir uns für einen der beiden anderen - sogar den richtigen, denn der dritte Platz im Bunde hat nur Hütten im Angebot. Wer jetzt denkt, das klingt nach wichtiger Urbanisation, der täuscht sich genau wie wir. Nelson ist ein winziges Kaff, aber man kann anscheinend gut angeln. In der Dämmerung besuchen uns übrigens mal wieder ein paar Kängurus :-)

Dienstag, 10. März 2015

Zurück an die Küste

Der Wecker klingelt. Arschkalt ist es. Richtig kalt. In dem private Bathroom (also fast, wie zu Hause ;-) müssen wir das Licht auslassen, denn die Frischluft, die durch den ansonsten eingeschalteten Lüfter durch die Tür gezogen wird, ist einfach zu kalt. Aber: Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel.
Wir verlassen die Grampians und fahren zurück an die Küste. Die Strecke ist genauso aufregend wie die Hinfahrt. Wir passieren immerhin auf halbem Wege eine richtige Stadt, Hamilton, die uns aber nicht zum Halt anregt. Am frühen Nachmittag erreichen wir bereits unseren heutigen Hafen, Portland. Passenderweise liegt unser Platz gleich neben dem Park am Hafen. Ein Spaziergang führt uns in die Stadt, die durchaus hübsche Häuser bietet (eine Kirche kann man übrigens gerade käuflich erwerben). In einem süßen Galleriecafé nehmen wir noch einen Snack zu uns, bevor wir unseren Stadtbesuch mit einem Lebensmitteleinkaufsbummel fortsetzen.
Anschließend bewundern wir das Ablegemanöver der heute im Hafen liegenden Pacific Pearl von P&O. Eine Perle in Bezug auf Schönheit ist das Schiff zwar nicht, fällt damit aber optisch vielleicht auch nicht ganz so doll aus dem Bild des Industriehafens.

Montag, 9. März 2015

Balkone

Zum Frühstück genießen wir Kino. Ringsum herrscht reges Treiben, als 80% des Platzes alles abbauen und verstauen. Da wir heute nicht weiter wollen, nutzen wir das schöne Wetter und die freie Waschküche zu unserem Vorteil. Anschließend fahren wir als erstes zum Boroka Lookout, von wo wir einen herrlichen Blick über das Fyans-Tal haben, mit dessen See Lake Bellfield, zu dessen Fuße wir campen.
Weiter geht es zu den Mackenzie Falls, der Wasserfall-Ikone der Grampians. Anders als die meisten anderen Fälle, führt dieser auch im Sommer ausreichend Wasser, um optisch ordentlich was her zu machen. Der Weg ist nicht lang, aber recht mühsam über teils sehr enge Felstreppen. Auch hier haben wir Glück, ist doch der Teil erst im Januar wiedereröffnet worden, nachdem letztes Jahr ein Waldbrand verheerendes Unheil angerichtet hatte.
Für den landschaftlichen Abschluss des heutigen Tages halten wir am Reed Lookout, von dem man herrlich über die Grampians schauen kann. Wir spazieren weiter zu "The Balconies". Dabei handelt es sich um zwei Felsnasen, die übereinander über die Klippen ragen. Früher konnte man diese direkt begehen. Heute muss uns (aber natürlich nicht jedermann) ein Blick darauf von der Seite reichen. Später, wieder im Tal in Halls Gap, holen wir noch unseren verpassten gestrigen kulinarischen Genuss nach :-)

Sonntag, 8. März 2015

Lucky

Der Morgen täuscht zunächst schönes Wetter an, schaltet aber beim Frühstück auf Nieselregen um. Wir lassen uns nicht beeindrucken und bleiben einfach sitzen. Das macht offensichtlich Wirkung und der Regen wird wieder eingestellt :-) Heute führt uns unser Weg in die Grampians, einem kleinen Gebirge im Hinterland. Hinter Warrnambool biegen wir ab und verlassen alsbald nennenswerte Besiedlung. Die Abwechslung hält sich für die nächsten 75km arg in Grenzen:
  • riesige Koppel mit Kühen
  • riesige Koppel mit Schafen
  • riesige leere Koppel
Die drei Ausprägungen werden in jeglicher denkbaren Abfolge dargeboten, bis wir Penshurst, die erste kompakte Siedlung mit Mini-Stadtcharakter, erreichen. Bis auf vier Motorradfahrer, die im Café sitzen, regt sich kein Leben. Wir fahren also weiter bis Dunkeld. Ab hier ändert sich die Landschaft und geht in endlose Eukalyptuswälder über. Irgendwo sitzt in einer Kurve ein Känguru am Straßenrand und guckt mürrisch drein. Je weiter wir in die Grampians vorstoßen, desto besser wird das Wetter. Das weckt Erinnerungen an unseren letzten Ausflug hierher. Da hatten wir auch allerbestes Wetter.
Nach weiteren 65km Kilometern kommen wir zum ersten Campingplatz. Wie schon gestern, waren alle Buchungsversuche übers Internet an fehlender Verfügbarkeit von Stellplätzen gescheitert. Mal sehen, denken wir uns und halten vor der Rezeption. Auch hier versuchen sie uns erneut mit einem nicht zu übersehenden Schild abzuhalten. Aber was gestern ging, geht doch heute auch? Wir sprechen vor und lösen fast einen Lachkrampf aus. Zu unserer Freude sind zwischen den Glucksern die Worte "you are sooo lucky" zu hören. Offenbar hatte gerade eben erst jemand seinen Platz storniert - der damit zum einzig verfügbaren geworden war.
Auf geht's nach Halls Gap, dem Städtchen hier in den Grampians. Hier ist entsprechend der Belegungen der Campingplätze die Hölle los. Wir ergattern trotzdem einen Parkplatz und wollen uns zunächst mit Eis oder Kuchen stärken. Das haut nicht hin, da die Schlange an der Eisbude ewig lang ist, und im Café keine Plätze frei sind. Das macht nichts, dann fahren wir eben direkt zu unserer ersten Wanderung, die wir hier unternehmen wollen. Diesmal ist die vor vier Jahren noch gesperrte Zugangsstraße in die Tiefen des Nationalparks frei. Vom Parkplatz erklimmen wir zunächst den "Grand Canyon", bevor wir uns stetig steil bergan über schieren Felsen arbeiten. Der hat übrigens die Gestalt eines versteinerten Gehirns eines Super-Mega-Riesen... Als wir denken, wir müssten nunmal langsam da sein, biegt der Weg ab, in die "Silence Street", eine sehr schmale aber nur 4m hohe Schlucht, die die meisten Außengeräusche abblockt. Von hier aus gilt es nochmals Felsstufe um Felsstufe zu erklimmen, bis wir da sind. Ein wunderbarer Aussicht von der Felsnase, die über die steil abfallende Klippen ragt, ist der Lohn.

Samstag, 7. März 2015

Bergfest an der Algarve

Der Morgen beginnt entgegen der Wettervorhersage wieder regnerisch. Wir verlassen Princetown, um zwei Kilometer weiter zunächst bei den Gibson Steps haltzumachen. Ein prüfender Blick zum Horizont überzeugt uns zu einer Pause innerhalb des Campers. Gut gemacht, gehen doch im Anschluss ordentlich Schauer nieder. In der nächsten Pause machen wir uns auf den Weg und steigen die Treppe, deren Stufen in die senkrecht abfallende Kliffkante "gehauen" sind, ca. 40m hinab zum Strand. Hier ist es zunächst menschenleer und die Sonne fällt wunderbar auf den riesigen Fels, der in Brandung steht.
Genau rechtzeitig zurück am Auto, überdauern wir den nächsten Regen auf der Fahrt zum nächsten Highlight, den Zwölf Aposteln. Wir haben wieder Glück und erwischen eine große Regenpause, sogar mit Sonnenschein :-) Der Blick ist auch bei unserem zweiten Besuch hier grandios.
Wieder nur wenige Kilometer weiter befinden sich der / die / das Loch Ard Gorge, eine Kluft in den Klippen (Gorge) an deren Eingang vor langer, langer Zeit der Klipper "Loch Ard" auf Grund lief und zerschellte. Etwas weiter östlich vom Gorge findet sich gleich noch der "Razorback", ein sehr schmaler Felsen mit rasiermesserscharfem Scheitel. Etwas weiter östlich befindet sich ein Felsen direkt vor den Klippen, um den zur richtigen Jahreszeit jeden Abend tausende von Mutton Birds kreisen. Einen kurzen weiteren Spaziergang kommt man zur "Thunder Cave". In diese ziemlich tief in die Klippen reichende riesige Höhle krachen regelmäßig die Brecher. Ein Blick auf die Uhr zeigt die nötige Weiterfahrt an. Wir kommen durch Port Campbell und folgen der Great Ocean Road weiter. Einige Kilometer später erreichen wir "The Arch", einen hübschen, großen, freistehenden Felsbogen. Auch wenn es nach Wiederholung klingt: Wenige Kilometer später biegen wir auf den Parkplatz an der London Bridge ein. Nach einem kurzen Plausch mit einer Camperin, die uns seit gestern "verfolgt", und die zur selben Zeit wie wir in Adelaide sein will, bewundern wir auch diesen gigantischen Felsklotz, der bis vor 25 Jahren noch mit dem Festland durch einen Brückenbogen verbunden war.
Wir setzen unsere Reise fort, zwischendurch können wir noch einen Blick in die Bay of Islands werfen, bevor wir endgültig die Küste verlassen. Gute 60km später befinden wir uns vor den Toren von Warrnambool und befassen uns mit der Unterbringungsfrage. Unsere Internetrecherche hatte ergeben, dass alle Plätze ausgebucht sind. Trotzdem fahren wir auf gut Glück zum ersten ausgeschilderten Campingplatz. Vor der Tür steht auch noch ein Schild: No Sites. Also nichts zu haben. Egal, wir fragen trotzdem und tatsächlich, nach ein wenig rumgescherze ,erfahren wir, dass tatsächlich noch ein Platz frei ist. Den nehmen wir und freuen uns. Als wir etwas später noch einen Ausflug in die Stadt machen wird auch klar, warum es so eng ist mit den Plätzen. Abgesehen davon, dass Labour-Day-Wochenende ist und viele Aussies zum Campen aufbrechen, finden hier auch noch die Rettungsschwimmerwettkämpfe der Region statt. Der Strand ist voll von Pavillons der verschiedenen Clubs.

Freitag, 6. März 2015

Im Regen im Regen Wald

Der Tag beginnt feucht - und bleibt es auch. Das Frühstück wird deshalb mangels schlechter Erreichbarkeit der Camp-Küche im Auto eingenommen. Wir verlassen den Platz für unsere Verhältnisse recht früh und folgen wieder der Great Ocean Road. Die schlängelt sich wieder herrlich an der Küste entlang. Je nachdem wir dicht der Regen gerade ist, kann man sogar die nächste Bucht erkennen. In Apollo Bay machen wir erstmal halt. Hier kann man den größten Teil der Stadt erbummeln, ohne Nass zu werden. Ein Hoch auf die Verandakonstruktion der hiesigen Geschäfte. Zum Aufwärmen gönnen wir uns erstmal einen Kaffee.
Hinter der kleinen Stadt verlässt die Great Ocean Road die Küste - und damit auch wir. Schon bald geht es auch wieder in bergiges Gelände, wo es uns für Kilometer in den Regenwald verschlägt. Und weil es so passend ist, machen wir hier einen Walk auf dem Maits Rest Rainforest Trail, immer schön zwischen und unter Baumfarnen entlang. Das Blätterdach ist fast überall so dicht, dass wir vom Regen nicht viel mitbekommen.
So ganz ohne Küste wollen wir dann doch nicht auskommen und biegen auf die Stichstraße zum historisch angeblich wertvollsten Leuchtturm Australiens ab. Auf mehr schlechter als rechter Straße holpern wir gen Küste durch Eukalyptuswälder. In einer Kurve ist wohl ein Koala zu sehen, verraten uns die hier haltenden Autos und die mit Kameras in die Bäume zielenden Leute.
Als wir endlich am Leuchtturmparkplatz ankommen, ist vom Turm nichts zu sehen. Nur ein Shop offeriert für teuer Geld Eintrittskarten für ein offenbar großes Gelände, aber mit Guided Tour auf den Turm. Das passt nicht so gut in unsere Pläne und so finden wir einen kurzen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt, von wo der Leuchtturm zu sehen ist. Vorausgesetzt man wartet lange genug, bis die Regendichte entsprechend abgenommen hat ;-)
Von hier aus geht's wieder zurück zur Hauptstrecke (der Koala sitzt immer noch in der gleichen Kurve, trinkt aber diesmal aus einer Pfütze) und diese entlang bis nach Princetown. Das Wort town darin ist allerdings ordentlich geprahlt, Fresendelf ist dagegen schon fast Metropole. Aber: Hier ist ein Campingplatz und es sind nur noch wenige Kilometer bis zum Highlight einer jeden Great Ocean Road Tour, den 12 Aposteln.
Den Campingplatz kennen wir schon von vor vier Jahren und sind ordentlich erstaunt darüber, wie voll dieser abgelegene Platz doch ist. Ein Blick ins Internet offenbart uns einen kleinen Albtraum: Es ist Labour-Day-Wochenende. Da die Feiertage hier grundsätzlich auf den Montag fallen, ist über das dadurch verlängerte Wochenende ganz Australien unterwegs. Wir checken daraufhin gleich mal die nächsten zwei, drei anvisierten Campingplätze. Oh je, da kommt noch etwas Arbeit und Nervenaufwand auf uns zu...

Donnerstag, 5. März 2015

Koala-Time

Der Tag beginnt heute herbstlich. Es stürmt, ist arschkalt und permanent wechselt das Wetter zwischen strahlender Sonne und Regen. Da wir auf unserem heutigen Campingplatz erst um 11 Uhr auschecken müssen, wollten wir eigentlich gaaanz gemütlich frühstücken. Das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung.
Gut gelaunt verlassen wir Anglesea und sagen von einem schönen Lookout Ciao! Unser nächster Halt führt uns zum Split Point, wo sich ein Leuchtturm auf den Klippen gemeinsam mit uns in den Sturm stemmt. Den etwas hektischen Kaffeegenuss am Morgen holen wir in einem Café in windgeschützter Lage nach.
Wenige Kilometer weiter startet der originale Abschnitt der Great Ocean Road, auf der wir seit gestern unterwegs sind. Markiert wird der Beginn durch ein Denkmal und einen die Straße überspannenden aus Holz gezimmerten Torbogen. Wir wundern uns mal wieder über andere Touristen, die für ihre Selbstinszenierungsfotos durchaus auch auf Denkmäler steigen.
Die Straße ist hier direkt in die Klippen gehauen und so bringen viele der unzähligen Kurven tolle Ausblicke auf das Meer, das in der mittlerweile durchgehend scheinenden Sonne herrlich türkis leuchtet. Dazu kommt die starke Brandung mit der weißen Gischt.
In Lorne biegen wir zunächst zu Teddys Lookout ab, der aus luftiger Höhe über die westlich von Lorne wartende Bucht schaut. Und da geschieht es. Vollkommen unerwartet sitzt ein paar Meter weiter ein Koala auf einem Wanderpfad und schaut uns direkt in die Augen. Offenbar erscheinen wir ihm harmlos genug, setzt er doch seinen Weg fort, um auf unserer Seite des Pfades auf einen Eukalyptusbaum zu klettern. Dort angekommen, nimmt er bequem in einer Astgabel Platz und verdrückt ein Blatt nach dem anderen. Irgendwann reißen wir uns von dem kuscheligen Gesellen fort und fahren in die hinter Lorne liegenden Berge. Hier steigen wir zu den Erskine Falls hinab, die sich hier über dutzende Meter in den Regenwald stürzen.
In Lorne machen wir einen kleinen Spaziergang an der Waterfront entlang. Am Ende der Stadtbucht liegt das uralte Badehotel vom Anfang des letzten Jahrhunderts des vorigen Jahrtausends ;-) Zu dessen Füßen führt eine lange Pier weit ins Wasser hinaus. Aber eigentlich wollten wir hier vielleicht Crayfish (Languste) im Hafenrestaurant genießen. Bei 89 Dollar für einen halben Crayfish bleibt es aber beim vielleicht und wir fahren weiter. Die Great Ocean Road wird hinter Lorne so richtig kurvig. Dazu geht es permanent bergauf und bergab. Dazu ist die Straße ausgesprochen wellig und so ist die Fahrt ordentlich anstrengend. Gut, dass schon bald unser heutiges Ziel Kennett River erreicht ist. Der Ort ist wohl bekannt für erfolgreiche Koala-Sichtungen, und tatsächlich sitzen einige Koalas verteilt über die Bäume des Parks.
Wirklich unschön ist, dass eine Horde Touristen, angeführt von ihrem Guide von "Wildlife Tours Australia", lauthals über den Campingplatz tobt, immer hinter dem nächsten Koala hinterher. Die Bande schreckt auch nicht davor zurück, zu einem ihrer armen Opfer auf den Baum zu klettern. Irgendwie stellen wir uns sowohl einen Guide einer entsprechend benannten Reiseagentur, als auch deren Gäste, anders vor...

Mittwoch, 4. März 2015

Ab auf die Great Ocean Road

Wir verlassen Queenscliff und fahren weiter ostwärts. Der nächste Ort nennt sich Point Lonsdale und ist ebenfalls ein Urlauberort - aber es ist kein Stück verschlafen. Am Point von Lonsdale thront ein Leuchtturm und wir haben einen tollen Ausblick auf die Zufahrt zum Port Phillip. Kaum haben wir das hereinkommende Lotsenboot entdeckt, kommt auch schon ein Kreuzfahrer um die Ecke: Die Holland America Line.
Unser Weg an der Küste entlang führt uns nun durch Ocean Grove, das sich hinter den Dünen zur Bass Straight erstreckt. Außer Unmengen an Ferienhäusern entdecken wir aber nichts Spannendes und fahren weiter nach Barwon Heads. Hier mündet der Barwon River in die See, bildet aber vorher noch eine malerische kleine Lagune. Hier findet sich der kleine Ortskern, der uns zu einem ersten Kaffee überreden will. Wir widerstehen und genießen stattdessen die Aussicht von dem kleinen Wanderpfad, der auf den am Ortsausgang befindlichen Klippen eingerichtet ist.
Von hier führt uns der Weg nach Torquay, dem Tor zur Great Ocean Road, das sich als ernsthaftes kleines Küstenstädtchen erweist. Der etwas ungemütliche CBD mit Supermarkt, Banken, etc. versteckt sich hinter der dem Wasser zugewandten Promenade. Hier entdecken wir verschiedenste einladende Lokalitäten. Da gerade Mittagszeit ist, herrscht hier einladendes Treiben, dem wir uns nicht entziehen können.
Frisch gestärkt verlassen wir die Stadt, um weiter zu fahren. Ein weiterer Abstecher führt uns nach Bells Beach, der bei Surfern begehrt und berühmt ist und wohl den Spitznamen Hells Beach trägt. Hier wurden die Surfszenen für den Kinohit "Gefährliche Brandung" mit Patrick Swayze und Keanu Reeves gedreht. Tatsächlich ist trotz nicht allzu aufregender Brandung ganz schön Action im Wasser.
Der letzte Abstecher des Tages bringt uns zum Point Addis. Hier erkunden wir einen Aboriginal Cultural Walking Trail, der durch den Küstenwald zu einem Aussichtpunkt führt, der uns einen tollen Ausblick auf die langgestreckte Bucht unter uns gewährt. Auch am Point, also der Landspitze selbst, liegt eine Aussichtsplattform. Von hier erblicken wir bereits unser heutiges Tagesziel, das nur wenige Kilometer weiter, am Ende des westlich gelegenen Strandes in Anglesea auf uns wartet.
Der Campingplatz ist übrigens der Wahnsinn! Er liegt direkt am Strand, an der Stelle, wo der kleine Anglesea River ins Meer plätschert. Nach dem Einparken hören wir die nur wenige Meter entfernte Brandung :-) Kaum haben wir uns zum Abendbrot in die Abendsonne gesetzt, bekommen wir auch schon Besuch von ein paar hübschen Gelbhaubenkakadus, einem Pärchen Pennantsittiche und anschließend einer Truppe Enten.

Dienstag, 3. März 2015

Halb um die Bucht

Wir verlassen Melbourne Richtung Westen. Auf dem Weg aus der Stadt schlängeln wir uns zunächst durch dichtes Industrie- und Gewerbegebiet. Dabei kommen wir auch an riesigen Container-Lagern vorbei, bis in den Himmel stapeln sich hier die Container. Eingeklemmt zwischen großen Sattelschleppern erreichen wir den Freeway, der Anfangs vierspurig ausgebaut, etwas später auf gemütlichen drei Spuren auskommt. Interessanterweise sind hier die Sattelschlepper die Tempomacher.
Richtig gemütlich ist das Reisen auf diesem Wege nicht, und so sind wir froh, als wir bei Werribee endlich auf einen normalen Highway abbiegen können. Zunächst fahren wir an die Küste bei Werribee South und anschließend zum Werribee Mansion. Das alte, riesige Herrenhaus liegt mitten in einem mittlerweile als Erholungspark zugänglichen Gelände.
Unsere Reise geht weiter und führt uns durch Geelong nach Queenscliff, das am Ende der westlichen Landzunge liegt, die die riesige Melbourner Bucht - Port Phillip - umfasst. In Steinwurfweite sind wir hier neulich Nacht durchgeschippert. Wir finden einen Campingplatz direkt am Wasser - herrlich. Queenscliff ist anscheinend ein finanziell sehr gut ausgestattetes Feriendorf in wunderbarer Lage, umgeben von Wasser. Hier ist es richtig gemütlich, eben genau das Richtige nach der vergleichsweise stressigen Großstadt. Die kann man heute in ca. 57km am Horizont immer noch erkennen!

Montag, 2. März 2015

Großstadtfieber

Von der gestern bei der Abfahrt bereits eingehandelten Verspätung konnte der Kapitän nichts aufholen, was uns aber ganz recht ist. So kommen wir erst kurz nach 7 Uhr am Morgen in Melbourne an, und der Wecker darf uns noch ein Stündchen länger schlummern lassen. Obwohl die Überfahrt glücklicherweise nicht ihr berüchtigtes super-raue-See-Gesicht gezeigt hat, fühlen wir uns wie erschlagen, als wir an die frische Luft kommen und die Skyline von Melbourne in der Morgendämmerung bewundern können.
Den Sonnenaufgang verleben wir unter Deck mit dem Warten auf das Ausschiffen. Das zieht sich auch lange hin. Als wir von Bord sind, erklärt sich auch wieso. Zunächst muss die Hälfte der Fahrzeuge zu einer erneuten Gasflaschenkontrolle (anscheinend alle, die bei Abfahrt lose Flaschen deklarieren mussten). Außerdem ergießt sich die Fahrzeugmenge direkt auf eine ohnehin im Berufsverkehr hoffnungslos überlastete Straße.
Wir fliehen erstmal am Ufer und später am Strand entlang nach St. Kilda, wo wir kurz durchschnaufen, den herrlichen Stadtstrand bewundern und den weiteren Plan festlegen. Kurzum, wir machen uns trotz der frühen Stunde direkt auf den Weg zum Campingplatz unserer Wahl - der ist zwar quer durch die Stadt, aber dank Navi im Handy letztlich um den Faktor 10 weniger stressig als die Suche damals, vor vier Jahren. Wir kommen lange vor der Checkout-Zeit an, können aber direkt einchecken. Ein Einweiser leitet uns zu unserem Stellplatz, der hier so groß ist, dass man locker mit zwei Supertrailern einparken könnte.
Nach dem dringend notwendigen Frühstück kehrt das Leben zurück und wir fühlen uns in der Lage, die Stadt zu erobern. Nach einem ordentlichen Fußmarsch erreichen wir die Metro-Station, wo es heißt, die Tickets zu kaufen. Das ist hier nicht soo einfach, muss doch zunächst eine Chipkarte (myki) erworben werden, die dann mit genügend Geld aufgeladen für die tatsächlichen Fahrten als Ticket dient. Das Fahrkartenterminal konkurriert im Bereich Verwirrung ganz locker mit den Terminals der Deutschen Bahn. Nach Anwahl des Menüpunktes "myki kaufen" folgen nur Optionen zum Aufladen. Nach Einigem hin und her begreifen wir, dass aufladen in diesem Falle kaufen-und-aufladen heißt.
20 Minuten später steigen wir in der Flinders Street aus und beginnen unsere Tour mit einem Besuch der Docklands, dem ehemaligen Werftgelände, das jetzt in ein modernes Geschäftsviertel mit Gastronomie verwandelt wird. Weiter geht es mit der kostenlosen City Circle Tram (die immer im Kreis um den Stadtkern kreist) zu den Carlton Gardens mit seinem alten und schönen Royal Exhibition Building. Von hier aus spazieren wir zum Parliament House, bewundern das alte Theater und besuchen China Town. Das wirkt so am Tage aber wenig aufregend. Das gleiche gilt auch für den griechischen Bezirk in der nächsten Parallelstraße. Wir erkunden die Innenstadt noch ein wenig und setzen uns am späten Nachmittag in ein kleines Restaurant - der Hunger rief.
Nach dieser Stärkung geht es zurück zur Bahnstation, bzw. zum direkt gegenüber in der schönen Frühabendsonne liegenden Federation Square. Wir überqueren den Yarra River und spazieren an dessen Ufer entlang zum Eureka Tower, der in der 88. Etage eine wunderbare Aussichtsplattform bietet. Wir genießen den abschließenden Blick über die Stadt, bevor es wieder zurück zu unserem mobilen Hotelzimmer geht.

Sonntag, 1. März 2015

Spirit of Tasmania

Nach dem Aufstehen aktivieren wir heute Plan B (zur Erinnerung: nach Plan A wären wir heute gar nicht hier, sondern wären irgendwo in der Gegend der Seen entlang des Lake Highway). Wir wollen mit dem Schiff eine ausgedehnte Fahrt durch das Tamar Valley machen. Also fahren wir zur Ablegestelle im relativ neuen Seaport. Aber wir haben ein bißchen eine Pechsträhne. Unsere gewünschte und auf allen Flyern sowie im Internet aufgeführte Tour fällt heute aus, da sie durch eine andere früher startende und länger dauernde ersetzt wurde. Also erstellen wir Plan C: Statt gemütlicher Bootstour sportliches Wandern im Cataract Gorge. Zunächst zum Sentinel Lookout, und weil es solchen Spaß macht, marschieren wir weiter zur alten Duck Reach Power Station. Nach unserer Trainingseinheit schaukeln wir gen Devonport, wo abends um 21 Uhr unsere Fähre nach Melbourne ablegt. Auf halber Strecke entdecken wir eine Raspberry Farm, die ihre leckeren Himbeeren auch in wundervolles Eis verwandelt anbietet. Wir können nicht widerstehen und genießen bei herrlichem Wetter und einem Spaziergang um den Farmsee.
Später am Nachmittag erreichen wir Devonport, das direkt am Meer liegt, aber städtisch gesehen keine Idylle bietet. Alle Geschäfte haben zu, und so ist der Stadtkern vollkommen verwaist. Am Hafen ist heute offensichtlich Dorffest, aber wir bekommen nur noch die letzten beiden Teilnehmer des großen wer-fällt-einen-Baum-am-schnellsten-und-mit-den-wenigsten-Axthieben-Wettbewerbs. Die finale Rangliste wird nur so ins Mikro genuschelt und verliert sich im geschäftigen Abbau.
Da wir immer noch Zeit haben, machen wir uns auf die Suche nach einem schönen Plätzchen fürs Abendbrot. Das finden wir gleich um die Mündung herum auf dem Leuchtturm-Hügel. So genießen wir unser Abendmahl in der Abendsonne, während wir die einlaufende "Spirit of Tasmania" beobachten.
Langsam wird es Zeit und wir fahren auf die gegenüberliegende Seite des Flusses zum Fährhafen. Der Checkin geht wie geschmiert. Offensichtlich werden die anfahrenden Autos rechtzeitig automatisch anhand des Nummernschildes identifiziert und die Bordkarten und Zimmerkarten dem "Beamten" passend auf den Tisch gedruckt. Danach muss jedes Fahrzeug durch die Security, die sich die Gasflaschen und den Innenraum zeigen lässt. Anschließend heißt es wieder warten. Unglaublich, dass all die anderen auch auf das Schiff passen sollen... Das Ausladen dauert ganz schön lange. Als das Beladen endlich beginnt kommt ein "Drama" nach dem anderen: Zunächst springt der Wagen in der Reihe neben uns nicht mehr an - Batterie lehr. Sofort springen ein paar Wartende helfend zur Seite. Kaum hat einer die Überbrückungskabel in der Hand, versucht der nächste in die leere Reihe hineinzuwenden. Allerdings werden die Helfer von offizieller Seite sofort zurück in Reih' und Glied beordert - das Servicefahrzeug mit externen Überbrückungsanschlüssen kommt schon. Kaum ist das Problem gelöst, hat die nächste Reihe ein Problem. Auch hier springt ein Auto nicht an. Diesmal ist es aber ganz offensichtlich nicht die Batterie - der Fahrer lässt den Anlasser kurbeln, bis er glüht.
Irgendwann sind auch wir an Bord und können unsere Kabine in Beschlag nehmen. Unsere Inspektion des Schiffes ergibt ein der Stena Line ähnliches Bild. Nur der Seegang in der Bass Straight ist ganz offenbar deutlich größer als auf der Ostsee. Selbst auf dem 11. und damit obersten und immer noch überdachten und verglasten "Außendeck" finden sich ansehnliche Salzwasserflecken auf dem ausgelegten Teppich. Mit einer guten Stunde Verspätung stechen wir um 22 Uhr in See.

Samstag, 28. Februar 2015

Weit herumgekommen

Mit vielversprechenden blauen Flecken am Himmel beginnt unser Tag. Während links und rechts neben uns die Koffer für die Abreise gepackt werden, packen wir nur unsere sieben Sachen für eine "Überführungstour". Gerade noch rechtzeitig haben wir herausbekommen, dass die ursprünglich geplante Route nach Devonport (von wo aus uns die Fähre am Sonntag nach Melbourne bringen soll) über den Lakes Highway für uns gar nicht passierbar ist. Ausgerechnet in dem wohl spannendsten Abschnitt an den vielen und zum Teil großen Seen im Zentrum von Tasmanien besteht der Highway nämlich nur aus unbefestigter Straße. Und das auch noch in einer Länge, die wir mit unserem Wagen definitiv nicht fahren dürfen. Daher planen wir vollständig um und befahren heute den Heritage Highway, der uns etwas weiter östlich nach Norden führt. Nach etwas Überlegung wählen wir dabei nicht den Teilabschnitt über Bagdad.
Zunächst passieren wir bei Bridgewater eine Bridge über das Water des Derwent River. Bei näherer Betrachtung ist die Brücke ganz interessant, kann doch ein kleiner Teil für die Durchfahrt von größeren Schiffen senkrecht nach oben gefahren werden.
Wir fahren weiter nach Oatlands. Als wir ankommen, haben sich die blauen Flecken am Himmel schon längst in Regen verwandelt. Das Städtchen bietet etliche hübsche richtig alte Häuschen, die aber wenig romantisch an der extrem breiten asphaltierten Straße liegen. Nach einem kleinen Ausflug zu einer hübschen alten Windmühle, gönnen wir uns einen Kaffee in einer richtig süß eingerichteten Bakery.
Als wir weiter fahren, nehmen Regen und Wind weiter zu, so dass Basti am Steuer richtig arbeiten muss. Am frühen Nachmittag erreichen wir Ross, dass noch mehr, noch besser erhaltene Häuser von Annodazumal aufweist. Noch dazu ist die Straße hier eine Allee mit herrlich großen, alten Bäumen. Wir finden diverse Antiquitätenläden und Bakeries vor. In der weltberühmten Bakery 31 (wer kennt sie nicht) kehren wir ein und vernaschen einen deliziösen Vanilla Slice.
Nur wenige Kilometer weiter liegt bereits Perth. Natürlich nicht das Perth im Westen von Festland-Australien, deshalb fahren wir auch gleich weiter, um in Launceston auf dem bereits bekannten Campingplatz einzuchecken.